Die diesjährige Urheberrechtstagung des Schweizer Forums für Kommunikationsrecht, die am 16. Juni 2026 in Bern stattfindet, steht unter dem Leitthema „Vom Urheberrecht zur Medienregulierung?“ und beleuchtet die zunehmende regulatorische Verdichtung im digitalen Umfeld. Während das klassische Urheberrecht traditionell auf Ausschliesslichkeitsrechte und individuelle Rechtsdurchsetzung setzte, zeigen aktuelle Entwicklungen eine deutliche Verschiebung hin zu konkreten Verhaltens- und Handlungspflichten für digitale Intermediäre.
21. Urheberrechtstagung: Vom Urheberrecht zur Medienregulierung?
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Datum
16. Juni 2026
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Uhrzeit
14:00 – 18:00 Uhr
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Standort
Universität Bern, Hörsaal S003 Schanzeneckstr. 1, 3012 Bern
Weitere Infos zum Termin und weiteren Programm finden Sie auf der Website der Veranstaltung
Zur VeranstaltungVor diesem Hintergrund widmet sich Nicole Beranek Zanon in ihrem Vortrag der Frage „Providerhaftung: Handlungspflichten statt Haftungsregeln?“. Der Beitrag knüpft an aktuelle Entwicklungen im Plattform- und KI-Kontext an und untersucht die zunehmende Verantwortung von Providern im digitalen Ökosystem. Im Zentrum steht dabei die Beobachtung, dass sich regulatorische Ansätze zunehmend von einer rein nachgelagerten Haftung für Rechtsverletzungen entfernen und stattdessen präventive Kontroll-, Prüf- und Mitwirkungspflichten etablieren. Zusätzliche Aktualität erhält diese Entwicklung durch den Entwurf des Bundesgesetzes über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG), mit welchem der Schweizer Gesetzgeber Transparenz-, Sorgfalts- und Verfahrenspflichten für Plattformanbieter schaffen will und damit den Trend hin zu einer stärker regulierten Plattformverantwortung weiter verstärkt.
Gerade im Zusammenhang mit generativer KI, Plattformdiensten und datengetriebenen Geschäftsmodellen stellen sich neue urheberrechtliche Fragen betreffend Input und Output von Systemen: Welche Verantwortung tragen Anbieter beim Einsatz urheberrechtlich geschützter Inhalte als Trainings- oder Eingabedaten? Welche Pflichten treffen Plattformen hinsichtlich rechtsverletzender KI-Outputs? Und wie weit reichen technische und organisatorische Kontrollpflichten künftig? Die Diskussion reicht dabei von klassischen Notice-and-Takedown-Mechanismen bis hin zu proaktiven Governance- und Compliance-Anforderungen, wie sie sich zunehmend aus dem URG, dem europäischen Digital- und AI-Regulierungsrahmen sowie der Plattformregulierung ergeben.
Der Vortrag ordnet diese Entwicklungen systematisch ein und beleuchtet die praktischen Konsequenzen für Provider, Plattformbetreiber und Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder integrieren. Dabei geht es nicht nur um Haftungsfragen im engeren Sinn, sondern um den grundlegenden Wandel von einem reaktiven Haftungsmodell hin zu einer regulatorisch geprägten Verantwortungskultur im digitalen Raum.
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